In der Beschäftigung mit meinen eigenen Werten stellte sich mir (wieder einmal) zunächst die Frage, Was sind Werte den überhaupt? Was assoziiere ICH mit dem Begriff Wert?
WERTVOLL – WERTLOS – GEGENWERT – GLEICHWERTIG – ERSTREBENSWERT – LIEBENSWERT – SEHENSWERT – EMPFEHLENSWERT Schnell bemerke ich: Der Begriff Werte , bereitet mir an manchen Stellen durchaus Unbehagen und ich sehe mich in einer gewissen Zwiespältigkeit.
Grundsätzlich sind Werte moralische oder ethische Eigenschaften, die Gruppen und Gemeinschaften zusammenhalten (können). Werte BEWERTEN jedoch auch und können deshalb ausgrenzen und trennen. Besonders dann, wenn Wertvorstellungen unbewusst und nicht hinterfragt über Generationen hinweg übernommen werden. Dann bekommen wir im Familiensystem Werte „anerzogen“, die uns in Form von Glaubenssätzen kleinhalten und begrenzen statt stärken und fördern.
Erinnere dich daran, wer du wirklich bist,
bevor dir gesagt wird, wer du zu sein hast.
Maxim Markovich
In Politik und Wirtschaft wird der Begriff der Werte oftmals arg überstrapaziert und orientiert sich an Leistung oder Ergebnis. SchnellEr, WeitEr, HöhEr. ZielstrebigER sind männlich Kräfte, die zwar sinnvoll, jedoch seit Jahrhunderten Über-Bewertet sind . Weibliche Werte haben in unserer Gesellschaft kaum Platz – werden jedoch DRINGEND benötigt. Auch religiöse, patriachalische Systeme werten Jahrhunderten Menschen ab. Die Verfolgung und Hinrichtung von „weisen Frauen“ ist nur eines von vielen Beispielen.
Aus diesem Grunde sollten wir mit unseren Werten als auch mit den Werten anderer sorgsam umgehen, Meine persönlichen Werte sollten eine Gemeinschaft mit Sinn bereichern. Niemand ist wert(e)los. Meine Werte sind nicht besser oder schlechter als die von anderen Menschen. Mir gefällt der Begriff der GLEICHWERTIGKEIT. Die Kunst, die auch ich üben darf, liegt für mich darin zu verstehen. Ich muss nicht einverstanden zu sein. Da sich ein Wert häufig in einer Handlung ausdrückt, neigen wir dazu, aus unserer Sichtweise zu interpretieren und eben sehr schnell zu bewerten statt miteinander ins Gespräch zu kommen.
Doch nun zurück zu meinen drei wichtigsten, persönlichen Werten, die ich ich nicht lange überlegen musste. Sie zeigen mir, was ich glaube, wie ich denke, wie ich handele. Meine Werte können mich fördern und fordern. Manchmal blockieren sie mich auch. Sie sind Fingerabdruck und Wegweiser. Meine wichtigsten und tiefsten Werte, die mein Wesen ausmachen sind Tiefe Neugier, Ehrlichkeit und Verbundenheit.
Wenn auch du dich mit deinen persönlichen Werte näher beschäftigen möchtest, findest du hier einen schönen Test und einige Anregungen für ein achtsames Leben.
Den Test habe ich, neugierig wie ich bin, natürlich gemacht. Das Ergebnis war: Neugier ( Ich hatte für das Wort „Tiefe“ gewählt. Ehrlichkeit (Mein Begriff hieß Wahrheit, der sehr viel mit Ehrlichkeit zu tun hat. Wahrhaftigkeit schien mir nicht stimmig. Der Wert Verbundenheit wurde mir als Nachhaltigkeit definiert. Sehr spannend, finde ich, da trotz anderer Worte, die Essenz erhalten war beziehungsweise beinhaltet. Der Text beschreibt es ganz gut – doch lies selbst.
Tiefe Neugier
Tiefe ist für mich ein Wert, der in der Neugier begründet ist. Schon als Kind interessierten mich Tiere sehr. Auch die Kleinen, wie Insekten, Mäuse, Vögel. Die Natur. Biologie war mein Lieblingsfach. In meiner Ausbildung zur Hebamme rückte der Mensch in den Mittelpunkt. Körper, Zellen. Das Wunder, wenn aus zwei winzigen Zellen ein Menschlein entsteht. Zu erforschen und zu spüren wie ALLES zusammenhängt lässt mich das Leben BeGREIFEN – nicht im Sinne von Wissen sondern im Sinne von erFÜHLEN und erLEBEN.
Neu heißt auch immer Veränderung. Alles ist Wandel. Transformation. Von der Raupe zum Schmetterling. Von Ei- und Samenzelle zum NeuGeborenen. Werden. Wachsen. Sein. Vergehen. Der ewige Kreis des Lebens. Die Neugier begleitet und beschäftigt mich in vielen Bereichen meines Lebens. Intellektuell, Spirituell, ZwischenMenschlich
Mein Sternzeichen Skorpion hat gewiss einiges damit zu tun, tief zu forschen. Auch die Schatten zu ergründeln. Die dunklen Seiten der Gefühle. Bei mir selbst. Bei anderen. Also kein Wert, der einfach ist. Der mich immer wieder an meine Grenzen führt und oft an der Leichtigkeit vorbei.
In der NeuGier zeigt sich mir manchmal eine gewisse Maßlosigkeit. Aus einem tiefen inneren Bedürfnis heraus möchte/muss ich Zusammenhänge erfahren und Verborgenes kennenlernen. Die Neugier kennt kaum Grenzen und stellt mir Fragen: Was ist der Sinn des Lebens. Was ist das Leben überhaupt? Wo beginnt und wo endet es?
Meine Neugierde bezieht sich nicht auf das Alltägliche und Oberflächliche, sondern hatte schon früh in meinem Leben Tiefe. Ich war schon als Teenager diejenige die zuhörte. Die Menschen anzog, die reden wollten. Vielen war ich jedoch auch zu ernst und zu still. Oft stand ich am Rand, schaute zu und versuchte zu verstehen.
Die Neugierde begegnete mir in meiner Ausbildung zur Achtsamkeitstrainerin wieder. Der „Geist des Anfängers“ meint die neugierige, offene und wertfreie Betrachtung einer Sache oder einer Situation, einem Gefühl oder einem Gedanken im Hier und Jetzt. Mit Offenheit in mich selbst hinein zu spüren und die Bewertung in Gesprächen oder Begegnungen zu bemerken und versuchen abzulegen erfordert unendlich viel Geduld (die ich nicht immer habe), die Bereitschaft unperfekt zu sein und Ehrlichkeit zu sich Selbst.
Ehrlichkeit
Auf meiner LebensReise braucht es Ehrlichkeit. Die eigene Kindheit, Glaubensmuster, Verhaltensweisen zu ergründen ist sehr bereichernd, kann aber auch schmerzvoll sein. Manche Wahrheit habe ich auch beiseitegeschoben, verdrängt. Mittlerweile vertraue ich immer öfter meinem Körperwissen, Mein Körpergefühl sagt mir, wann die nächste Wahrheit ans Licht kann oder eine dunkle Ecke einfach angenommen werden darf. Neben der Neugier auf die eigenen Schatten braucht es Achtsamkeit, Mut und sehr viel SelbstMITGefühl.
Zu anderen Menschen aus einem Impuls heraus ehrlich zu sein, kann verletzen. Rechthaberei, Wut und Trotz sind keine guten Motivation um die eigene Wahrheit zu verkünden. Auf diese Art meinen (Skorpions-) Stachel einzusetzen hat mich als jüngere Frau oft in verzwickte und unangenehme Situationen gebracht. Heute bin ich gelassener.
„Dazugehören“ war Grund, warum ich meine Wahrheit in Phasen meines Leben auch unterdrückt und mich angepasst habe. Ich war die Frau „die immer lacht“, die oft Ja sagte, wenn sie Nein meinte oder gleich schwieg. Eine Maske, die einfacher für andere war. Und für mich. Doch die Verbindung zu mir Selbst und meiner Seele ging verloren.
Wenn du deine Wahrheit anderen gegenüber aussprichst verlierst du vielleicht manche Menschen. Wenn du aber anfängst, der Anderen Wahrheiten nachzusprechen, verlierst du dich selbst.
DaniEla
Meine Wahrheit und meine Bedürfnisse zu äußern durfte ich lernen. Das gefällt nicht immer allen Menschen. Muss es jedoch auch nicht! Ich habe immer die Möglichkeit, zur stillen Beobachterin zu werden und mich zu entscheiden auch Menschen Gruppen oder Räume zu verlassen dort wo es (ICH?) nicht passt.
Aus der Ehrlichkeit und dem Einstehen für sich selbst kann auch langsam und leise Mitgefühl entstehen. Als hochsensibler Mensch fühle ich, wie andere sich fühlen. Ich bin jedoch nicht (mehr) für die Gefühle anderer Menschen verantwortlich.
Verbundenheit
Die Verbundenenheit schließt die VerBINdung zu mir selbst, mein ICH BIN, ebenso mit ein, wie die Verantwortung einen Bund einzugehen mit Mutter Erde und all ihren Wesen. Denn alles ist miteinander verwoben. Ich lebe nicht einfach auf dieser Erde, sondern ICH BIN DIE ERDE. Gleichwertiges SEIN.
Wie wollen wir morgen leben? ist eine Frage, die mich umtreibt. Hier entsteht für mich auch Nachhaltigkeit. Ebenso wie ich versuche meinem Körper nicht zu schaden, schade ich auch der Natur nicht. Ein Beispiel: Wir essen Gemüse, welches (fast) ausschließlich aus einer SoLaWi kommt. Das ist regional, saisonal, biologisch, ehrlich, handwerklich, unverpackt, gesund frisch und enkeltauglich. Ich vermeide Müll…
In der Verbundenheit von Körper, Seele und Geist steckt die Verantwortung für mich selbst. Für meine Gedanken bin ich genauso verantwortlich, wie für meine Gesundheit. Krankheit ist in diesem Sinne kein Fehler, der mit Pillen unterdrückt werden muss, sondern Ausdruck meiner Seele, die mir zeigt, wo etwas stagniert oder im Ungleichgewicht ist. „Immer wieder in Balance kommen zu wollen ist meine eigene Entscheidung.“
Wegweiser
Meine Werte sind Wegweiser in meinem Leben. Meine Werte zeigen mir, wer ich bin und sind mir Wegweiser zu der Frau, die ich sein will. Sie zeigen mir die Richtung an in die ich gehen möchte. Vielleicht auch gehen muss, wenn ich im Einklang leben will. Werte sind nicht immer Fixpunkte, sondern können sich ändern. Vor allem dann, wenn neben meinen „drei wichtigsten Werten“ auch Werte wie Balance, Achtsamkeit, Dankbarkeit, Zufriedenheit, Freiheit, Kreativität gelebt und geliebt werden wollen.
Werte sind wie Fingerabdrücke.
Niemand hat dieselben, doch du hinterlässt sie bei allem, was du tust.“
Elvis Presley
Hallo, Daniela,
ein toller, berührender Artikel.
Wir teilen den Wert Neugierde.
Danke fürs Teilen von dem Test.
Herzliche Grüße Martina
Danke dir , liebe Martina – ja die Neugier….